Ein historischer Wendepunkt im deutschen Hochschulwesen ist am Horizont erkennbar: Die Universität Münster wird ab dem 1. Juli die erste islamisch‑theologische Fakultät des Landes einrichten. Mit einem geplanten Stab von acht Professoren, einem eigens dafür errichteten Religionscampus und einer Bibliothek, die zu den größten ihres Faches in Europa zählen soll, soll das Projekt den Anspruch erheben, den Islam in Europa neu zu definieren.

Hintergründe

Die Initiative geht aus einem Konsortium von Ministerien, Stiftungen und dem Rat der Religionswissenschaften hervor. Ein Mitarbeiter des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion, dass die Fakultät „nicht nur ein akademisches Sonderprojekt, sondern ein strategisches Signal an die europäische Zivilgesellschaft sei“. Ziel sei es, einen „zeitgemäßen Islam“ zu fördern, der sich klar an den Werten der liberalen Demokratie orientiere.

Der Bau des Campus, vorgesehen auf dem ehemaligen Güterbahnhof, soll bis Ende 2027 abgeschlossen sein. Laut Projektleiter Professor Dr. Khalid Al‑Rashid, ein anerkannter Experte für islamische Rechtswissenschaften, werde die Bibliothek über 500 000 Bände umfassen, darunter seltene Manuskripte aus dem 9. Jahrhundert.

Reaktionen aus dem In‑ und Ausland

Die politische Resonanz ist gemischt. Innenpolitiker der CDU äußerten sich vorsichtig optimistisch: „Wir schaffen Raum für Integration, ohne die gesamtdeutsche Identität zu gefährden“, erklärte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Der SPD‑Bundesvorsitzende kritisierte hingegen eine mögliche „Institutionalisierung religiöser Parallelgesellschaften“.

Im Ausland zeigten sich Regierungen skeptisch, aber interessiert. Ein Beamter des türkischen Außenministeriums kommentierte, dass die Einrichtung „ein bedeutendes Experiment sei, das das Verhältnis zwischen Staat und Religion in Europa neu kalibrieren könnte“. In den USA veröffentlichte das „Washington Institute for Near East Policy“ einen Bericht, in dem die Universität Münster als möglicher „Leuchtturm für interkulturelle Rechtswissenschaften“ bezeichnet wird.

Unter den Studierenden herrscht gespannte Vorfreude. Eine Studentin des ersten Jahrgangs, die anonym bleiben möchte, berichtete: „Wir erwarten intensive Debatten und die Chance, ein neues Narrativ zu schreiben.“ Gleichzeitig melden islamkonservative Gruppen Proteste an, die sich gegen die vermeintliche „europäische Vereinnahmung“ des Glaubens richten.

Ausblick

Die ersten Vorlesungen sollen im Oktober beginnen, wobei das Curriculum neben klassischen theologischen Disziplinen auch Kurse zu Menschenrechten, Medienkompetenz und Klimatheologie umfassen wird. Experten prognostizieren, dass die Fakultät bis 2035 über 10 000 Absolventen hervorgebracht haben könnte, die in Leitungspositionen von Religionsbehörden, Nichtregierungsorganisationen und Forschungsinstituten tätig sein werden.

Ein weiterer Schritt könnte die Gründung eines europäischen Netzwerks islamisch‑theologischer Fakultäten sein, das von der Europäischen Kommission mitfinanziert werden soll. Sollte das Projekt den erwarteten Erfolg bringen, könnte Münster zum Referenzpunkt für die „European Islamic Modernity Initiative“ avancieren.

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