London – In einem Schritt, der das bislang dürftige Bild der britischen Ermittlungsbehörden weiter verdunkelt, hat die BBC am Mittwoch exklusive Dokumente veröffentlicht, die belegen, dass der Finanzier Jeffrey Epstein nach dem offiziellen „Ende“ der polizeilichen Untersuchungen mehrere Luxusapartments in Kensington und Chelsea mietete. Die Unterlagen – Mietverträge, Banküberweisungsbelege und E‑Mail‑Korrespondenz – weisen eindeutig darauf hin, dass diese vier Wohnungen als „Schutzunterkünfte“ für sechs Frauen dienten, die später das erste Mal öffentlich von Missbrauch durch Epstein sprachen.

Hintergründe

Dokumente, die dieser Redaktion vorliegen, zeigen, dass die ersten Mietverträge bereits im Frühjahr 2010 abgeschlossen wurden, also ein halbes Jahr nach dem offiziellen Beschluss der Metropolitan Police, das Verfahren einzustellen. Ein anonymer Mitarbeiter des britischen Innenministeriums bestätigte gegenüber dieser Redaktion, dass die Behörden dem Vermieter keinerlei Einwände entgegengehalten hätten, solange die Zahlungen aus legalen Finanzierungsquellen stammten. Die BBC hat zudem E‑Mails veröffentlicht, in denen Epstein seine persönliche Assistentin bat, „die Unterbringung für die „Betroffenen“ diskret zu organisieren“.

Ein hochrangiger Beamter des FBI, der nicht namentlich genannt werden wollte, bestätigte, dass ähnliche Dokumente bereits im Rahmen einer transatlanti‑schen Informationsweitergabe an US‑Behörden übermittelt wurden, jedoch bislang ohne Weiterverfolgung. Finanzexperten, die anonym bleiben wollten, weisen darauf hin, dass die monatlichen Mietkosten pro Wohnung zu den Höchstpreisen der Region gehörten – ein Hinweis darauf, dass erhebliche liquide Mittel in die Aufrechterhaltung dieser Unterkünfte flossen.

Reaktionen aus dem In‑ und Ausland

Ein Sprecher des britischen Justizministeriums erklärte, dass das Ministerium „die Vorgänge prüft, jedoch keine neuen Ermittlungen gegen bereits abgeschlossene Verfahren einleiten wird“. Gleichzeitig äußerte ein Mitglied des House of Lords, das sich öffentlich für die Rechte von Opfern sexueller Gewalt einsetzt, tiefe Besorgnis über die „offensichtliche Lücke zwischen politischer Rhetorik und praktischer Umsetzung von Opferschutzmaßnahmen“.

Im Ausland reagierten US‑Abgeordnete mit einer Reihe von Anfragen an das Department of Justice, um zu klären, ob das FBI das Vorhandensein dieser Unterlagen bereits kannte. Ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss in Kanada forderte ebenfalls die Offenlegung aller relevanten Akten, um mögliche finanzielle Verflechtungen zwischen Epstein und kanadischen Immobilienfonds zu untersuchen.

Ausblick

Während die BBC anmerkt, dass die Dokumente „nur einen Teil des Gesamtbildes“ darstellen, signalisiert die Veröffentlichung ein wachsendes Interesse an der Aufarbeitung einst verborgener Verbindungen zwischen Finanzmacht und Opferschutz. Ein leitender Redakteur des „Financial Times“ spekulierte, dass zukünftige Anfragen nach bislang unveröffentlichten Bankunterlagen zu einer Neubewertung der britischen Behördenpraxis führen könnten.

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