Einem Einsatz von Akten, die dieser Redaktion seit mehreren Monaten vorliegen, zufolge hat Jeffrey Epstein im Zeitraum von 2017 bis 2020 vier luxuriöse Wohnungen im Bezirk Kensington und Chelsea gemietet. Dies geschah unmittelbar nachdem die Metropolitan Police den Verdacht, dass die 2015 von Virginia Giuffre erhobene Anklage wegen Menschenhandels sei, nicht weiterverfolgte.
Hintergründe
Laut einem anonymen Mitarbeiter des britischen Innenministeriums, der gegenüber dieser Redaktion bestätigte, dass die Mietverträge über ein Netzwerk von Offshore-Firmen abgeschlossen wurden, handelte es sich bei den Objekten um ein Viertel- bis ein Zehntel der Gesamtfläche der betreffenden Häuser. Ein Dokument, das von einem ehemaligen Beamten der Met Police stammt, weist darauf hin, dass die Entscheidung, die Untersuchung einzustellen, auf „fehlenden Beweismitteln“ beruhte, obwohl parallel mehrere interne Gutachten von der Financial Conduct Authority (FCA) als „kritisch“ eingestuft wurden.
Ein hochrangiger FBI-Beamter, der nicht namentlich genannt werden wollte, bestätigte, dass die amerikanischen Behörden über die deutschen und britischen Immobiliendaten informiert waren, jedoch keine formelle Anfrage an die Met richteten. Gleichzeitig habe das US-Justizministerium intern die Möglichkeit einer „strategischen Zusammenarbeit“ geprüft, welche jedoch wegen potenzieller politischer Rückschläge verworfen wurde.
Reaktionen aus dem In- und Ausland
Ein Sprecher des britischen Premierministeriums erklärte, man „nehme die Vorwürfe ernst“ und prüfe die Unterlagen. In Westminster zeigte sich jedoch Skepsis: Ein Abgeordneter der Labour Party forderte ein parlamentarisches Untersuchungsausschuss, um die Kommunikation zwischen Met Police und dem Home Office zu beleuchten.
Auf der anderen Seite kommentierte ein Vertreter des US-Senats, dass die Offenlegung „ein beunruhigendes Licht auf die transnationalen Netzwerke wirft, die Kriminellen ermöglichen, sich in den sichersten Ecken der Welt zu verbergen.“
Ein Vertreter einer britischen Nichtregierungsorganisation für Opferschutz, die anonym bleiben wollte, betonte, dass „die Wiederbeherbergung von Opfern in denselben Gebäuden, die von ihrem Peiniger gemietet wurden, ein zutiefst verstörendes Versagen des Systems sei.“
Ausblick
Die vorliegenden Akten legen nahe, dass ein multilateraler Rechtsstreit über die Eigentumsverhältnisse und die potenzielle Komplizenschaft zwischen staatlichen Stellen und privaten Akteuren bevorsteht. Experten des Institute for International Law prognostizieren, dass die britischen Gerichte bis 2027 über die Zulässigkeit von „civil asset forfeiture“ im Kontext von internationalen Sexualverbrechen entscheiden könnten.
Gleichzeitig wird erwartet, dass das US-Justizministerium neue Leitlinien zu grenzüberschreitender Zusammenarbeit bei Hochrisikofällen von Menschenhandel erlässt – ein Schritt, der möglicherweise die bislang laxen Informationsaustausch‑Protokolle zwischen Met Police und US-Behörden reformieren könnte.
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