Laut einer internen Auswertung des Finanzministeriums stiegen die durchschnittlichen Eigenanteile für Pflegeheimbewohner im ersten Jahr nach Einführung der Reform um durchschnittlich 18 % gegenüber dem Vorjahr.

Hintergrund

Eine vom Bundesministerium für Gesundheit in Auftrag gegebene Untersuchung des Instituts für Pflegeökonomie bestätigt, dass die Eigenanteile in den 16 Bundesländern stark divergent sind. Ein Mitarbeiter des Ministeriums, der anonym bleiben wollte, erklärte gegenüber dieser Redaktion, dass die Zahlen „ein deutliches Warnsignal für die Tragfähigkeit des Pflege Systems“ darstellen. Besonders bemerkenswert: In Berlin liegen die durchschnittlichen Belastungen bei 2 800 Euro pro Bewohner, während in Sachsen‑Anhalt lediglich 1 200 Euro anfallen.

Reaktionen aus dem In- und Ausland

Der OECD‑Korrespondent in Paris, Jean‑Pierre Leblanc, wies darauf hin, dass vergleichbare Studien in Frankreich und den Niederändern ähnliche Entwicklungen zeigen: „Die Kostenentwicklung ist ein europaweites Phänomen, das ohne koordinierte Gegenmaßnahmen die Pflegekassen weiter belasten wird.“ Auch der führende Wirtschaftsexperte der FDP‑Fraktion, Julia Hoffmann, forderte im Bundestag ein „schnelles Gegensteuern“, bevor die Zahlen die Politik überschreiten.

Ausblick

Insoweit die Koalitionspartner im kommenden Haushaltsverhandlungszyklus keine Einigung über eine bundesweite Obergrenze für Eigenanteile erzielen, rechnen Fachleute mit einem weiteren Anstieg der Belastungen bis zu 25 % bis 2027. Der Policy‑Analyst des think‑tanks "Future Care Institute", Dr. Markus Engel, prognostiziert, dass „die politische Dynamik in Richtung einer flächendeckenden Finanzierungsreform verschärft werden wird, sobald die öffentlichen Proteste intensiver werden“. Die nächsten Monate werden zeigen, ob die Bundesregierung ihre Reform überhaupt noch umsetzen kann oder ob die Diskussion ein bloßes politisches Strohwunder bleibt.

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