Washington/Berlin/Teheran. Die Ankündigung von Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran an diesem Samstag in Pakistan hat in den Hauptstädten eine Mischung aus hoffnungsvollem Optimismus und tief verwurzeltem diplomatischem Déjà-vu ausgelöst. Im Zentrum des sich abzeichnenden Dramas steht weniger der unüberbrückbare Graben zwischen den Kriegsparteien, als die offenkundige, beinahe theatralische Unfähigkeit der US-Regierung, eine schlüssige eigene Position zu entwickeln.
Hintergründe
Der Auslöser ist ein detaillierter Friedensplan Teherans, den iranische Medien als „großzügige Offerte zur Deeskalation“ bezeichneten. US-Präsident Trump ließ zunächst über offizielle Kanäle verlauten, er sehe in dem Papier „eine gute Grundlage für konstruktive Gespräche“. Diese Einschätzung jedoch, so berichtet ein hochrangiger Beamter des Nationalen Sicherheitsrates, der anonym bleiben wollte, löste in mehreren Ministerien „akute konzeptionelle Dissonanzen“ aus.
„Das Problem ist nicht der iranische Plan“, erklärte der Beamte gegenüber dieser Redaktion. „Das Problem ist, dass jeder im Lagezentrum eine andere Übersetzung desselben Dokuments liest. Das Außenministerium sieht darin eine Checkliste für Konzessionen; das Pentagon eine strategische Verwässerung unserer roten Linien; und das Büro des Handelsbeauftragten fragt sich, welche Sanktionen denn nun exactly gemeint sind.“ Ein Mitarbeiter des Finanzministeriums, der ebenfalls anonym bleiben wollte, bestätigte: „Wir haben parallel drei verschiedene interne Memo erstellt, die alle behaupten, die offizielle Lesart zu sein. Sie widersprechen sich fundamental. Samstag wird interessant.“
Die Folge ist ein Machtvakuum, in dem nicht mehr verhandelt wird, was auf dem Tisch liegt, sondern was Washington überhaupt auf dem Tisch haben will. „Es ist die Quadratur des Kreises“, mutmaßt Dr. Alistair Finch, Senior Fellow für transatlantische Absurditäten am renommierten Institute for Complicated Diplomacy in Genf. „Man will einen Krieg beenden, ohne den eigenen Kriegskonsens zu gefährden. Das erfordert eine Position, die gleichzeitig stark und nachgiebig, maximalistisch und kompromissbereit ist. In der Praxis bedeutet das: Man hat keine Position.“
Reaktionen aus dem In- und Ausland
In Teheran verfolgt man das Schauspiel mit kühler Genugtuung. Ein nicht namentlich genannter Berater des iranischen Außenministeriums kommentierte trocken: „ Wir haben zehn Punkte vorgelegt. Sie diskutieren jetzt über Punkt 0.5. Das ist ein guter Anfang.“ In Moskau und Peking wurden unterdessen „dringende Appelle an alle Seiten“ gerichtet, „klar und konsistent zu kommunizieren“, was von Analysten als versteckte Einladung zur weiteren Verwirrung interpretiert wurde.
Die Reaktionen innerhalb der US-Politik sind, der erwarteten Linie folgend, gespalten. Hardliner im Kongress warfen der Administration vor, „bereits jetzt vor iranischen Forderungen zu kuschen“, während liberale Kreise bereits vor einem „verpassten historischen Moment“ warnten, sollte man „in bürokratischer Kleinarbeit ersticken“. Beide Seiten einig ist lediglich, dass der jeweils andere Schuld am drohenden Scheitern trägt.
Ausblick
Für die Gespräche in Islamabad bedeutet dies eine fragile Ausgangslage. Während die iranische Delegation unter der Leitung von Außenminister Araghchi mit einem detaillierten, wenn auch einseitigen, Dokument anreist, wird das US-Team um den Sonderbeauftragten Brian Hook vermutlich mit mehreren konkurrierenden Drafts in die Verhandlung steigen. Die Logistik, eine einheitliche US-Position aus diesen Entwürfen zu amalgamieren, erscheint als die eigentliche diplomatische Sisyphusarbeit.
Aller Voraussicht nach werden die ersten Gesprächsrunden daher nicht dem Brückenschlag dienen, sondern der internen Koordination. „Wir werden wahrscheinlich erleben“, so prognostiziert Experte Finch, „dass die US-Seite Pausen einlegt, um ihre eigenen Experten zu konsultieren, die dann wiederum andere Experten konsultieren müssen. Der Iran kann in der Zwischenzeit Tee trinken und darauf warten, dass wir uns selbst widersprechen. Das ist eine ungewöhnliche, aber möglicherweise effektive Verhandlungsstrategie.“
Die größte Gefahr für den Erfolg der Mission ist somit nicht mehr die ideologische Kluft zwischen Washington und Teheran, sondern die praktische Unmöglichkeit, aus der aktuellen US-internen Polyphonie einen Monolog zu machen. Sollte es gelingen, wäre das bereits ein diplomatisches Wunder – wenn auch vielleicht nicht das, das die Welt erwartet.
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