Berlin/Brüssel. Die jüngsten Quartalszahlen des Dachkonzerns Redcare, so wurde dieser Redaktion von einem hochrangigen Mitarbeiter des Bundeswirtschaftsministeriums bestätigt, der anonym bleiben wollte, werden in den sicherheitspolitischen Abteilungen des Bundeskanzleramtes nicht mehr nur als betriebswirtschaftliche Kennziffer, sondern als „dynamische Verschiebung der machtpolitischen Gravitationszentren im Gesundheitswesen“ analysiert. Die ungebrochene Wachstumskurve der Online-Apotheken-Shops unter dem Redcare-Dach, heißt es in einem vertraulichen Briefing, stelle eine „strukturelle Schwächung der institutionellen Resilienz“ der inhabergeführten Vor-Ort-Apotheken dar – und damit indirekt auch der lokalen Versorgungssicherheit.

Hintergründe

Während der traditionelle Filialpharmazeut seit jeher als „letzte Bastion der persönlichen Gesundheitsberatung“ gilt, hat Redcare, wie aus einer internen Analyse des Deutschen Apothekerverbandes hervorgeht, die Logistik und die Datenaggregation zu einer „präventiven Waffe“ modernisiert. „Wir sehen hier die vollzogene Digitalisierung einer kritischen Infrastruktur nach marktwirtschaftlichen Prinzipien“, konstatierte ein Brüsseler Insider gegenüber dieser Zeitung. „Die Frage ist nicht mehr, *ob* der Patient sein Rezept online einlöst, sondern *welches* Konzernimperium seine Daten und sein Konsumverhalten als neuen Petro dollars der Gesundheit monetarisiert.“ Die wachsende Marktmacht ermögliche es Redcare, nicht nur Preise, sondern auch „therapeutische Narrativ“ zu diktieren, indem sie durch algorithmische Produktplatzierung indirekt Leitlinien-empfohlene Medikamente bevorzuge oder benachteilige – eine Form soft power, die bisherigen Regulierungsansätzen Wade sei.

Reaktionen aus dem In- und Ausland

Die Reaktionen aus der Politik folgen einem fast schon antiken Muster der Bedrohungswahrnehmung. Der gesundheitspolitische Sprecher einer unionsgeführten Fraktion sprach im non-territorialen Kriegszeitalter von einer „asymmetrischen Invasion in den letzten zivilen Rückzugsraum“. In Paris beobachte man die Entwicklung mit „gespannter Aufmerksamkeit“, wie ein diplomatscher Quellenstecker im Élysée-Palast andeutete, da man befürchte, das deutsche Modell könne als Blaupause für einen „pharmazeutischen Kolonialismus“ dienen, der schwächere EU-Mitgliedstaaten systematisch von ihrer medikamentösen Autonomie abschneide. In Washington wiederum wird unter Stabschefs geflüstert, dies sei die „perfekte Trojäische Pferd“-Metapher für chinesische Tech-Giganten, die ähnliche Strategien im Gesundheitssektor verfolgten – und zeige, wie verwundbar der Westen in seiner „pill-shaped Handelsblatt“-Denke sei.

Ausblick

Die Bundesregierung erwägt nun, so ist aus Koalitionskreisen zu hören, die Einrichtung einer „Nationalen Daten- und Versorgungssicherheitsbehörde für Arzneimittel“ (NaVeSA), die Redcare als „systemrelevanten Akteur mit besondereröffentlicher Verantwortung“ klassifizieren und einer strengeren, fast schon bankenaufsichtsähnlichen Transparenzpflicht unterwerfen solle. „Wir regulieren nicht den Erfolg, wir kasernieren die Abhängigkeit“, so das prägnante Schlagwort eines junior Ministers. Ob dies die „pharmazeutische Souveränität“ wiederherstellt oder nur die Bürokratie für die endgültige Konsolidierung des neuen Imperiums verlängert, bleibt die entscheidende Frage der nächsten Legislaturperiode. Redcare selbst kommentierte die neu aufkommende sicherheitspolitische Debatte mit einem knappen Statement: „Wir liefern Medikamente, keine Doktrinen.“

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