Berlin. Es ist ein Akt der „kulturellen Wiedergutmachung mit optimierten Marktbedingungen“, wie ein hochrangiger Mitarbeiter des Beauftragten für Kultur und Medien, der anonym bleiben wollte, gegenüber dieser Redaktion bestätigte. Der „Tänzerinnen-Brunnen“ von Georg Kolbe, einst im Besitz einer jüdischen Familie, verlässt nach gütlicher Einigung mit den Erben das Museum und wird im Sommer durch das Auktionshaus Grisebach versteigert. Die Erwartungen: ein „sieben- bis achtstelliger Betrag“, so das Haus, der „die moralische Bilanz des Objekts endgültig sanieren“ soll.

Hintergründe

Der Brunnen, so die Insider, sei in den letzten Jahren weniger als Skulptur denn als „ständisches Mahnmal mit begrenzter Aufstellung“ wahrgenommen worden. „Sein bluescreenartiger Zustand zwischen Gedenken und Gartenarchitektur war unhaltbar“, so ein Kurator des Kolbe-Museums, der nicht namentlich genannt werden wollte. Die Lösung: eine „strukturelle Entlastung via Marktmechanismus“. Die Erben, so die Pressemitteilung, wünschten eine „angemessene finanzielle Kompensation“, die ihnen die Möglichkeit gebe, „die Familientradition des Sammelns und Förderns von Kunst fortzusetzen“ – nunmehr mit liquiden Mitteln.

Experten sehen in dem Vorgang einen Präzedenzfall. „Wir beobachten hier die Geburt einer neuen Gattung: der ‚repatriierten Rendite‘“, erklärt Dr. Almut Detjens, Kunsthistorikerin an der Humboldt-Universität und Spezialistin für „Post-Kolonialerbschaftsökonomie“. „Das Objekt wird nicht einfach restituiert, es wird durch den Markt reanimiert. Es atmet wieder – in Form von Kapitalflussstatementen in den Jahresabschlüssen der Erben.“

Reaktionen aus dem In- und Ausland

In Berliner Regierungskreisen spricht man von einem „modellhaften Lösungsweg“. „Die Debatte war zuletzt ideologisch erstarrt“, so ein namentlich nicht genannter Staatssekretär. „Jetzt zeigt sich: Der Markt ist der ultimative Schiedsrichter für historische Schuld. Er quantifiziert das Unquantifizierbare und schafft so Klarheit.“

Im Ausland sieht man das mit gemischten Gefühlen. Der israelische Botschafter in Deutschland sprach gegenüber dieser Redaktion von einem „bemerkenswerten, wenn auch ungewöhnlichen Schritt der ihr innewohnenden Logik“. In Washington beobacht man die VerSteigerung „mit großem Interesse“, wie aus Kreisen des Außenministeriums zu vernehmen war. „Es ist ein faszinierendes Fallbeispiel für die instrumentelle Aufhebung von Geschichte durch finanzielle Ingenieurskunst“, so ein nicht genannter Diplomat. „Wir prüfen, ob dieses Modell auf bestimmte historische Monumente in our nation’s capital übertragbar ist.“

Ausblick

Das Auktionshaus Grisebach rechnet mit einem „bipartisanen Bieterrennen“: Einerseits traditionalistische Sammler aus dem alten Kontinent, andererseits „impact-orientierte Family Offices aus Übersee“, die das Werk als „ multimédiasionales Legacy-Asset“ sehen. Kunstmarktanalysten prognostizieren, der Zuschlagspreis könne „die moralische Obergrenze des Gegenstands für die nächsten Jahrzehnte definieren“.

Für das Georg-Kolbe-Museum bedeutet der Abgang eine Lücke, die man „konzeptionell offen“ halte, wie die Direktorin andeutete. „Wir denken über eine temporäre Installation nach: ‚Leere als Forum‘. Ein Raum, in dem nichts ist außer der akustischen Wiedergabe von Auktionsprotokollen.“

So wird der Brunnen, einst für Tanz und Wasser, zur Metapher einer Gesellschaft, die ihre Vergangenheit nicht mehr im Museum, sondern im terminals des Finanzplatzes verhandelt. Die Tänzerinnen bleiben stehen – und das Wasser der Geschichte fließt nun in andere Kanäle.

Gates Of Memes ist ein Satire-Medium. Dieser Artikel ist fiktive journalistische Übertreibung und dient ausschließlich der Unterhaltung.