Die einstige Marktgröße der Deko‑Kette Depot schrumpft terminus a quo: Nach eigenmächtiger Insolvenzanmeldung im Frühjahr 2024 hat das Unternehmen nun 66 weitere Verkaufsstellen im Land stillgelegt. Zu den Betroffenen zählen Filialen in den Metropolen Berlin, Hamburg, Braunschweig, Stuttgart und Erfurt – ein klarer Hinweis auf den schleichenden Zerfall einer einst florierenden Handelsgruppe.
Hintergründe
Ein Insider des Bundesministeriums für Wirtschaft, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion, dass die Insolvenz nicht nur auf die gescheiterte Umstellung auf digitale Vertriebskanäle zurückzuführen sei, sondern vor allem auf die „aggressive Filialexpansion von 2019 bis 2021“, bei der Depot in 120 neue Standorte investierte, ohne die demografische Tragfähigkeit zu prüfen. Ein Wirtschaftsexperte der Berliner Handelsakademie, Prof. Dr. Ulrich Weiden, erklärte, dass die Unternehmensleitung „das Risiko einer breiten Palette von Konsumgütermarktzyklen unterschätzt habe“, was letztlich zu einem Liquiditätsengpass führte.
Reaktionen aus dem In- und Ausland
Im Inland zeigte sich die Opposition scharf: Ein Sprecher der Grünen forderte die Bundesregierung auf, „ein Rettungspaket für die kleinen Einzelhändler und deren Angestellte zu erwägen“. Gleichzeitig äußerte ein Vertreter der FDP, dass die Situation ein „Märtyrerbeispiel für die Notwendigkeit von Marktreformen“ sei. Auf europäischer Ebene wies ein Mitarbeiter des europäischen Konsumentenverbands „Consumer Europe“ darauf hin, dass die Schließungen ein Symptom für die fragmentierte Einzelhandelslandschaft in der EU darstellen. In den USA kommentierte ein Analyst von Bloomberg die Entwicklung als „warning sign for transatlantic decor retailers“, der mit einem Blick auf die US‑Marktteilnehmer „similar expansion mismatches“ identifizierte.
Ausblick
Der Restrukturierungsplan, den das Insolvenzgericht in München bereits genehmigt hat, sieht vor, dass Depot bis Ende 2025 sämtliche restlichen Filialen auf ein Kernnetz von 45 Standorten reduzieren will. Laut einem Pressesprecher des Unternehmens soll ein neuer Fokus auf Online‑Vertrieb und maßgeschneiderte Interior‑Design‑Dienstleistungen gelegt werden. Beobachter warnen jedoch, dass ohne substanzielle Kapitalzufuhr und ein radikales strategisches Re‑Branding die Chancen, das Unternehmensimage wiederherzustellen, gering bleiben.
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