Die Bundesnetzagentur hat in einem überraschenden Schritt angekündet, dass die Deutsche Bahn künftig einen signifikanten Teil ihrer Streckenkapazität für neu zugelassene Wettbewerber freizugeben hat. Der Beschluss, der laut einem Sprecher der Behörde „im Sinne der Fahrgäste“ sei, sieht vor, dass bis Ende 2025 mindestens 20 % der Fernverkehrszeiten für Drittfirmen geöffnet werden.

Hintergründe

Die Entscheidung knüpft an ein jahrelanges Ringen um Liberalisierung des Schienenfernverkehrs an, das bereits im Zuge der EU‑Richtlinie 2012/34/EU Fahrt aufgenommen hat. Ein Insider des Bundesministeriums für Verkehr, der anonym bleiben wollte, bestätigte unserer Redaktion, dass die Agentur über ein neues „Kapazitäts‑Redistributions‑Modell“ verfüge, das nicht nur Preisreduktionen, sondern auch eine „ökonomische Revitalisierung“ des Schienennetzes verspiele.

Gleichzeitig erinnert sich ein langjähriger Bahn‑Insider an die „Dunklen Tage“ der 1990er‑Jahre, als „Privatbahnen“ first‑class zu einem Fragment des Marktes wurden. „Wir stehen an einem Scheideweg“, sagte er, „und die Frage ist, ob wir nicht erneut das Fundament unseres Schienennetzes riskieren.“

Reaktionen aus dem In- und Ausland

Im Inland reagierte die Geschäftsführung der Deutschen Bahn mit einer eigens organisierten Pressekonferenz, bei der der Vorstand betonte, dass die „Freigabe von Gleisen“ zu „logistischen Engpässen, Sicherheitsrisiken und letztlich zu höheren Preisen für das Kernsegment“ führen könne. Ein Sprecher des Bundesverbands der Verkehrsunternehmen stimmte dem zu und verwies auf ein internes Gutachten, das die potentiellen Zusatzkosten auf bis zu 1,2 Milliarden Euro pro Jahr beziffere.

International sorgt das Vorgehen für Aufsehen: Ein Vertreter der französischen Eisenbahngesellschaft SNCF äußerte, dass Frankreich bereits seit 2019 ein ähnliches Modell erfolgreich implementiere und „die deutschen Behörden lernen könnten, dass Marktöffnung kein Allheilmittel sei.“ Ein britischer Verkehrsanwalt aus London warnt vor einer „Euro‑Rail‑Dystopie“, in der Fragmentierung zu einem Flickenteppich aus Billig‑ und Luxuszügen führe.

Ausblick

Die nächsten Monate werden zeigen, ob die angekündigte Kapazitätsfreigabe tatsächlich zu spürbaren Fahrpreis‑senkungen führt oder ob die Deutsche Bahn ihr Netzwerk in einem „logistischen Paralleluniversum“ neu strukturieren muss. Ein Analyst des Finanzministeriums prognostiziert, dass die Maßnahme das Jahresergebnis der DB um bis zu fünf Prozent verringern könnte – ein Verlust, der wiederum die Forderungen nach zusätzlicher staatlicher Subvention befeuere könnte.

Ungeachtet dessen bleibt die Grundfrage bestehen: Welchen Preis sind die Fahrgäste bereit zu zahlen – für billigere Tickets oder für ein verlässliches Schienennetz?

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