Berlin – In einem Schritt, der sowohl Marktliberalisierung als auch staatliche Intervention zugleich verkörpert, hat die Bundesnetzagentur beschlossen, die Anzahl der von der Deutschen Bahn selbst beanspruchten Fernverbindungen zu begrenzen. Der Beschluss, den ein Sprecher der Behörde als „notwendige Entschlackung des monolithischen Schienennetzes“ bezeichnete, eröffnet dem Markt neue Mitbewerber – insbesondere Italo und Flix – bislang bislang kaum beachtete Spielräume.
Hintergründe
Die Entscheidung folgt monatelanger interner Analysen, die laut einem nicht namentlich genannten Mitarbeiter des Bundesverkehrsministeriums ergeben haben, dass die Deutsche Bahn jährlich rund 2,7 Milliarden Euro an ungenutzten Kapazitäten horten solle. Ein Insider des DB‑Managements, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion, dass die Unternehmensführung bereits seit 2022 über „internes Bunker‑Szenario“ sprach, um mögliche Marktöffnungen zu antizipieren.
Gleichzeitig hat das Europäische Parlament in einer Resolution von 2023 die Notwendigkeit einer „fairen Schieneninfrastruktur“ betont, worauf die Bundesnetzagentur nun operativ reagiert. Der zugrundeliegende Rechtsrahmen stützt sich auf das Eisenbahngesetz von 1998, das seitdem nur sporadisch angepasst wurde.
Reaktionen aus dem In- und Ausland
Ein Sprecher von Italo meldete, dass das Unternehmen bereits „strategische Investitionspläne“ für zusätzliche Hochgeschwindigkeitszüge vorbereite. „Wir sehen dies als historische Chance, den europäischen Fernverkehr neu zu definieren“, soll ein gehaltener Kommentar lauten.
Flix, das bislang hauptsächlich im Fernbus‑Segment operiert, kündigte an, innerhalb von zwölf Monaten ein erstes „FlixRail‑Pilotprojekt“ auf der Strecke Berlin‑München zu starten. Ein Flix‑Manager äußerte in einem Gespräch mit unserem Korrespondenten, dass die Liberalisierung „wie ein Lauffeuer“ den gesamten Verkehrsmarkt befeuern werde.
Die Deutsche Bahn selbst reagierte mit einer offiziellen Stellungnahme, die die Entscheidung als „unerwartete Beschneidung“ bezeichnete. Ein ranghoher Bahn‑Direktor, der sich ebenfalls nicht namentlich nennen ließ, warnte: „Wir riskieren, dass das Vertrauen in die Kontinuität des Fernverkehrs erschüttert wird.“
Im Ausland beobachtet man die Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Ein britischer Verkehrsexperte, Professor Harold Whitfield von der University of Oxford, schrieb in einem Fachbeitrag, dass die deutsche Situation „ein Lehrstück für die gesamte EU sein könnte – entweder als Vorbild für Wettbewerb oder als Warnung vor Überregulierung“.
Ausblick
Die Bundesnetzagentur hat angekündigt, die neuen Kapazitätsregeln innerhalb der nächsten drei Monate zu implementieren. Beobachter gehen jedoch davon aus, dass die praktische Umsetzung – etwa die Neuvergabe von Slots, die Anpassung von Fahrplänen und die Sicherstellung von Instandhaltung – komplexe Verhandlungsprozesse nach sich ziehen wird.
Einige Analysten spekulieren, dass die Öffnung des Netzes zu einem Preis‑ und Qualitätswettlauf führen könnte, der letztlich den Fahrgästen zugutekommt. Andere warnen vor einer „Fragmentierung“ des Schienennetzes, die zu ineffizienten Betriebsabläufen führen könnte.
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