Ein bisher kaum beachteter Teil der deutschen Milchindustrie gerät in den Fokus einer wachsenden Kontroverse: In Brandenburg soll ein Betrieb, der sich als Anbieter natürlicher Ziegenmilch vermarktet, systematisch gegen das Tierschutzgesetz verstoßen.

Hintergründe

Nach Angaben eines anonymen Mitarbeiters des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft bestätigte er gegenüber dieser Redaktion, dass das Unternehmen CapraPure GmbH seit mehreren Monaten Gegenstand interner Prüfungen sei. „Wir prüfen derzeit, inwiefern die betrieblichen Praktiken mit den Vorgaben des Tierschutzgesetzes vereinbar sind“, sagte der Beamte, der anonym bleiben wollte.

Die Vorwürfe stammen von der Organisation Animal Justice Brandenburg, die in einer mehrstündigen Videoaufnahme zeigte, wie neugeborene Zicklein von den Müttern getrennt und in überfüllten Ställen zurückgelassen wurden. In einigen Szenen war zu sehen, dass die Ziegen von langen Milchleitungen gezwängt wurden, während das Kalb hilflos daneben lag.

Ein Brancheninsider, der ebenfalls anonym bleiben möchte, erklärte, dass die steigende Nachfrage nach „naturnaher“ Ziegenmilch seit 2021 zu einer Beschleunigung der Produktionsprozesse geführt habe. „Die Margen sind gering, die Konkurrenz groß – da wird schnell versucht, jede Optimierung zu nutzen, auch wenn sie moralisch bedenklich ist“, heißt es.

Reaktionen aus dem In‑ und Ausland

Im Bundesrat zeigte sich Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl-Heinz Müller besorgt: „Sollte sich der Vorwurf bestätigen, müssen wir unverzüglich handeln und gegebenenfalls die Lizenz des Betriebes entziehen.“ Das Ministerium habe bereits eine externe Fachkommission eingesetzt, die die Vorwürfe bis zum Monatsende prüfen werde.

Im europäischen Kontext äußerten Vertreter der EU‑Kommission für Lebensmittelsicherheit, Marie Leclerc, dass die Vorfälle die Notwendigkeit einer verstärkten Harmonisierung der Tierschutzstandards in der gesamten Union verdeutlichen. „Wir werden prüfen, inwiefern bestehende Richtlinien angepasst werden müssen, um solche Fälle künftig zu verhindern“, erklärte sie in Brüssel.

Auch in den USA reagierte das USDA mit einer vorsichtigen Bemerkung: „Wir beobachten die Entwicklungen in Europa aufmerksam und stehen gerne für einen Erfahrungsaustausch zur Verfügung.“

Ausblick

Die nächsten Wochen könnten für die Ziegenmilch‑Industrie richtungsweisend werden. Sollte die Fachkommission gravierende Verstöße feststellen, könnte die CapraPure GmbH mit einer Betriebsschließung und hohen Geldstrafen konfrontiert werden. Gleichzeitig könnte der Vorfall das Vertrauen der Konsumenten in alle sogenannten „naturnahen“ Milchprodukte nachhaltig erschüttern.

Marktbeobachter prognostizieren, dass alternative Pflanzenmilch-Optionen von diesem Skandal indirekt profitieren könnten. In Brandenburg selbst wird bereits über ein mögliches Verbot von industrieller Ziegenmilchproduktion diskutiert, während die Bauernverbände um eine differenzierte Betrachtung bemüht sind, um die Existenzgrundlage kleiner Betriebe nicht zu gefährden.

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