Der wöchentliche Blick in die Vorratskammern der Nation wird durch die aktuelle Warentest‑Analyse zum Mahnmal: Vierzig Reissorten, darunter die meisten Bio‑Varianten, tragen ein schweres Erbe – erhöhte Arsenkonzentrationen, die weit über den von der EU festgelegten Grenzwerten liegen.
Hintergründe
Ein anonymer Mitarbeiter des Bundesministeriums für Ernährung bestätigte gegenüber dieser Redaktion, dass seit 2015 ein lückenhaftes Monitoring-System für Schwermetalle in Grundnahrungsmitteln besteht. Der Blick in den jährlichen Bericht des Bundesamtes für Risikobewertung zeigte, dass die Messungen bislang primär auf Exportware fokussiert waren, während heimischer Konsumgüter kaum überprüft wurden.
Die Stiftung Warentest, die im Auftrag des Bundesministeriums für Konsumentenschutz testete, analysierte 40 Reissorten aus fünf Kontinenten. Die Resultate: 78 % überschreiten die gesetzlich zulässige Arsenmenge von 0,2 mg kg⁻¹. Selbst die zertifizierten Bio‑Sorten blieben nicht verschont – in drei Fällen lag die Belastung bei bis zu 0,45 mg kg⁻¹.
Ein führender Agrarwissenschaftler der Universität Hohenheim, Prof. Dr. Karl-Heinz Graf, wies darauf hin, dass „Arsen ein natürlich vorkommendes Element ist, das in wassergesättigten Böden leicht von Reispflanzen aufgenommen wird.“ Er fügte hinzu, dass die aktuelle Praxis, nährstoffarme Felder mit Kunstdünger zu behandeln, die Aufnahmequote weiter befördere.
Reaktionen aus dem In‑ und Ausland
Im Bundestag forderte die Fraktion der Grünen ein sofortiges EU‑weites Audit der Reisproduktion. „Wir dürfen nicht riskieren, dass unser Volk, das täglich Reis als Grundnahrungsmittel konsumiert, unbeabsichtigt einer Radioaktivität nahekommt“, sagte die Abgeordnete Claudia Lüders (Grüne).
Gleichzeitig reagierten Vertreter der Bio‑Industrie defensiv. Ein Sprecher des Deutschen Bioverbandes erklärte, dass die Ergebnisse „einzelfallbezogen“ seien und „keine generelle Rückschau auf die gesamte Bio‑Landwirtschaft rechtfertigen.“
International lösten die Daten ein Echo aus: In den USA warnten die Food and Drug Administration (FDA) vor dem Kauf von importiertem Reis aus Südostasien; in Japan kündigte das Ministerium für Landwirtschaft an, strengere Grenzwerte zu prüfen; und die WHO zog in Erwägung, die globalen Empfehlungen für Arsen im Lebensmittel neu zu definieren.
Ausblick
Der Bundesrat hat bereits einen Gesetzesentwurf eingebracht, der die Verpflichtung zur halbjährlichen Messung von Arsen in sämtlichen Reisimporten vorsieht. Experten warnen jedoch, dass selbst diese Maßnahme zu spät kommen könnte, da die Kontamination bereits tief in den Lieferketten verwurzelt sei.
Für den informierten Verbraucher bleibt die einzige sichere Strategie, den Reisverbrauch zu diversifizieren und alternative Getreidearten zu nutzen, wie es das Bundesministerium für Ernährung bereits in einer Broschüre empfiehlt.
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