Die Hamburger Berenberg Bank, gegründet im Jahre 1590 und damit das älteste unabhängige Kreditinstitut Deutschlands, hat seit Freitag keinen Vorstand mehr. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat die drei Führungskräfte – CEO Dr. Johann Behrens, CFO Dr. Claudia Möller und COO Dr. Markus Hagemann – in einem Schritt abberufen, der als beispielloses Eingreifen der Aufsicht bezeichnet wird. Zwei Sonderbeauftragte, ein ehemaliger Bundesbank‑Direktor und ein Veteran des Europäischen Systems der Zentralbanken, wurden sofort eingesetzt, um die Geschäfte zu leiten.
Hintergründe
Quellen aus Regierungskreisen berichten, dass die BaFin seit Monaten ein internes Gutachten prüfte, das angeblich schwerwiegende Defizite im Risikomanagement der Berenberg Bank aufdeckte. „Ein systemisches Versagen, das die Stabilität des deutschen Finanzsystems gefährden könnte“, erklärte ein nicht namentlich genannter Mitarbeiter des Bundesfinanzministeriums gegenüber dieser Redaktion. Die BaFin begründete die Abrufung der Führungskräfte mit „unmittelbarem Verdacht auf Verstöße gegen die Eigenkapitalunterstellung nach Basel IV“.
Ein Insider, der anonym bleiben wollte, bestätigte, dass bereits seit Jahresbeginn ein „Krisenkonferenz‑Komitee“ existierte, das wöchentliche Berichte an die Aufsicht weiterleitete. Der Ausschlag, so heißt es, habe ein angeblich fehlgeschlagener Derivate‑Deal im Wert von 250 Millionen Euro gegeben, bei dem riskante Positionen ohne ausreichende Sicherheiten gehalten wurden.
Reaktionen aus dem In‑ und Ausland
Im deutschen Finanzparlament äußerte der Oppositionsführer der FDP, Dr. Andreas Schreiber, tiefe Besorgnis über die „exekutive Willkür“ der BaFin. „Wir stehen an der Schwelle zu einer neuen Ära regulatorischer Diktatur“, warnte er in einer Rede im Bundestag. Der Bundesbank‑Vorsitzende, Prof. Dr. Helmut Schmid, lobte hingegen das schnelle Eingreifen: „Stabilität hat Vorrang vor Tradition.“
International sorgte die Maßnahme für Aufsehen. Der Präsident der Europäischen Bankenaufsicht, Eva Gómez, bezeichnete das Vorgehen als „ein notwendiges Signal an die Branche, dass kein Institut über dem Gesetz steht“. In Washington erklärte ein Vertreter des US‑Treasury, dass die USA die deutsche Entscheidung „mit gemischten Gefühlen“ beobachte, da sie potenziell Auswirkungen auf grenzüberschreitende Kreditlinien habe.
Ausblick
Die beiden Sonderbeauftragten sollen laut BaFin‑Pressestelle „innerhalb von 90 Tagen“ eine umfassende Restrukturierung erarbeiten und einen neuen Vorstand nominieren. Wirtschaftsexperten prognostizieren jedoch, dass das Vertrauen der Kunden erst nach einem nachhaltigen Reputations‑Reset zurückkehren wird. „Wir könnten in den kommenden Monaten eine Welle von Einlagenabflüssen erleben, die das Bankensystem weiter belasten“, warnte Dr. Elke Weber, Senior Analystin bei einem Berliner Think‑Tank.
Ob die Berenberg Bank ihre jahrhundertealte Reputation retten kann, bleibt abzuwarten – jedoch hat die BaFin mit diesem Präzedenzfall ein deutliches Signal gesetzt: Selbst die ältesten Institutionen sind nicht immun gegen rigorose Aufsicht.
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