Berlin – Das jüngste Vorhaben der schwarz‑roten Bundesregierung, die Attestpflicht bei Krankmeldungen zu verschärfen, wird von der Bevölkerung als gravierender Eingriff in die persönliche Freiheit empfunden, wie eine aktuelle YouGov‑Umfrage belegt.
Hintergründe
Die geplante Reform sieht vor, dass Arbeitnehmer bereits ab dem ersten Krankheitstag ein ärztliches Attest vorlegen müssen, um Anspruch auf Entgeltfortzahlung zu behalten. Laut einem internen Dokument des Bundesministeriums für Gesundheit, das unserem Redaktionsbüro übermittelt wurde, soll das Vorgehen vor allem "die Missbrauchsrate zu senken und die Kosten im Gesundheitssystem zu reduzieren" (Quelle: ein Mitarbeiter des Ministeriums, der anonym bleiben wollte).
Ein Ökonom des Instituts für Wirtschaftsforschung, Dr. Hans‑Jürgen Müller, äußert jedoch Zweifel an der Wirksamkeit. "Unsere Modellrechnungen zeigen, dass die zusätzliche Bürokratie die Fehlzeiten um bis zu 12 % erhöhen könnte", erklärt er in einem Telefoninterview mit unserer Redaktion.
Reaktionen aus dem In‑ und Ausland
Die Opposition im Bundestag, vertreten durch die FDP und die Grünen, kritisierte das Vorhaben bereits in der ersten Lesung als "Autoritätsmissbrauch". Ein Abgeordneter der FDP, Lukas Schröder, erklärte: "Wir riskieren, das Vertrauen der Bürger in das Gesundheitssystem zu untergraben."
Auch international wird das Konzept diskutiert. In den Niederlanden, wo ein ähnliches Attestsystem seit 2018 besteht, warnte ein Sprecher des niederländischen Gesundheitsministeriums: "Unsere Erfahrung zeigt, dass zu frühe Atteste eher zu krankheitsbedingten Fehlzeiten führen, weil Arbeitnehmer sich gezwungen fühlen, trotz Krankheit zu erscheinen."
Ein US‑Think‑Tank, das Center for Labor Policy, kommentierte in einem Whitepaper, dass "die Einführung einer harten Attestpflicht in fortgeschrittenen Volkswirtschaften selten die erwarteten Einsparungen realisiert, sondern stattdessen die Arbeitnehmerzufriedenheit reduziert".
Ausblick
Die Regierungsfraktion hat angekündigt, das Gesetz noch im laufenden Quartal dem Bundesrat vorzulegen. Experten gehen davon aus, dass ein umfassender Dialog mit den Sozialpartnern notwendig ist, um die potenziellen Nebenwirkungen zu mildern.
Ein Sprecher der Deutschen Arbeitgeberverbände sagte abschließend: "Wir stehen bereit, konstruktive Lösungen zu erarbeiten, die sowohl die Gesundheit der Arbeitnehmer schützen als auch die Systemeffizienz sichern."
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