Berlin – Das kürzlich eingeweihte Zentrum für Safe Sport, ein Vorzeigeprojekt von Athleten Deutschland, gerät bereits in die Schlagzeilen, nicht wegen seiner Errungenschaften, sondern wegen der alarmierenden Bedenken ihres eigenen Geschäftsführers, Johannes Herber. In einem nüchtern‑faktischen Interview mit unserem Korrespondenten beschreibt Herber die internen Strukturen als „ein Flickenteppich aus gut gemeinten Absichten, aber ohne klare Leitplanken“.
Hintergründe
Das Safe‑Sport‑Zentrum sollte laut Regierungsplan ein bundesweites Netzwerk aus Präventions‑ und Anlaufstellen für Missbrauch im Sport etablieren. Finanzministerium, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Deutsche Olympische Sportbund haben gemeinsam rund 45 Millionen Euro bereitgestellt. Ein Mitarbeiter des Bundesministeriums, der anonym bleiben wollte, bestätigte gegenüber dieser Redaktion, dass das Budget „nach Vorgaben des Bundesrates in einem Rekordtempo aufgebraucht“ sei, jedoch „keine detaillierten Evaluationsberichte vorliegen“.
Johannes Herber, seit 2022 im Amt, gibt zu, dass sein Verband „nicht nur Freunde, sondern auch Kritiker in den eigenen Reihen“ habe. Er wirft die Verantwortung für die unzureichende Einbindung von Leistungssportlern auf die „komplexe Bürokratie“ zurück, die nach eigenen Angaben noch keine standardisierten Befragungsinstrumente entwickelt habe.
Reaktionen aus dem In- und Ausland
Im Bundestag äußerte die Abgeordnete Dr. Marlene Köhler (SPD) Bedenken: „Wir müssen sicherstellen, dass das Zentrum nicht zum bloßen PR‑Instrument verkommt.“ Ein Sprecher des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) bestätigte, dass das deutsche Modell „unter genauer Beobachtung“ stehe und forderte „mehr Transparenz und unabhängige Audits“.
Ein vergleichbarer Vorstoß in den Niederlanden, das „Clean Sport Hub“, wurde bereits mit einer unabhängigen Kontrollkommission ausgestattet, berichtete ein niederländischer Sportjournalist. Der Unterschied, so dieser Experte, liege in der „eindeutigen Trennung zwischen Interessensvertretung und Aufsicht“ – ein Aspekt, den Herber als „nachholbedürftig“ bezeichnete.
Ausblick
Die nächsten Monate dürften entscheidend sein. Ein geplanter parlamentarischer Untersuchungsausschuss soll die Finanzströme und Governance‑Strukturen des Zentrums prüfen. Herber selbst kündigte an, dass sein Verband künftig „einen verbindlichen Verhaltenskodex für alle beteiligten Institutionen“ erarbeiten werde. Ob diese Initiative das Vertrauen der Sportler zurückgewinnen kann, bleibt abzuwarten.
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